Freitag, 6. Mai 2016

Indien



Selten hatte ich vorher so ein schlechtes Bild von einem Land gemalt bekommen. Es ist laut, dreckig, überfüllt; ich soll kein Essen von Fremden annehmen, nicht alleine im Dunkeln rumlaufen; als Ausländerin werde ich unangenehm angestarrt und als allein-reisende Frau werde ich früher oder später Probleme bekommen. Von Reisenden, Couchsurfern und Einheimischen habe ich nur Warnungen bekommen und wurde zur Vorsicht geraten. Indien - entweder man liebt es oder hasst es. Ich war fast sicher ich würde es hassen.
Aber Indien ist anders. Anders als erwartet. Wo war das Unangenehme, wo die Extreme? Gut, Indien ist laut und dreckig im Vergleich zu Deutschland, aber nicht so, dass ich es nicht gewohnt wäre. Von Anfang an habe ich mich wohlgefühlt, ein neues schönes, angenehmes Land. Kein Ärger mit Männern wie in der Türkei, kein unangenehmes Anstarren wie in China, keine Überfüllung der Städte wie in Uganda und keine frustrierenden Sprachbarrieren wie in so vielen anderen Ländern.
Und was die Frauen angeht? So musste ich mich nicht immer anstellen sondern durfte in der Schlange nach vorne. Im vollen Zug wurde mir oft ein Sitzplatz angeboten. Mir wurde bei allem weitergeholfen wenn ich danach fragte.
Wieder einmal komme ich zu dem Schluss, weniger wissen ist oft sehr viel mehr. In diesem Fall mehr Ruhe, mehr Vorfreude, mehr Offenheit, mehr vom Land.

Nachdem ich meinen studienbezogenen Aufenthalt in Jaipur und Umgebung beendet hatte, konnte ich endlich losziehen und den Nordwesten Indiens erkunden. Obwohl ich mir die Thar Wüste und das Himalaya als Ziele vornahm, hatte ich doch kaum schöne, ruhige, einsame Stunden in der Natur; in dieser Hinsicht ist Indien doch voll, denn einsam gibt es in Indien nicht. Stattdessen wurde es mehr eine Reise, in der ich viel über verschiedene Religionen und Kultur lernte. Hierin liegt der Reichtum Indiens.
Nach dem must-see Indiens, dem Taj Mahal, das ich persönlich zwar schön, aber nicht sonderlich beeindruckend finde ging es für einen kurzen Stop nach Pushkar, einem heiligen kleinen Örtchen mit einem der wenigen Brahma Tempel im Land. Mit den vielen Touristen hatte es wenig heiliges, aber eine schöne und angenehme Atmosphäre herrscht hier. 

Amber Fort , Jaipur
Udaipur
Udaipur
Mini Taj, Agra
Taj Mahal
Pushkar Lake

In Jaisalmer- the golden city hatte sich ein Couchsurfer Zeit genommen, um mir viele interessante Orte in der Umgebung zu zeigen - das Grabmahl der Könige, ein verlassenes Dorf, das innerhalb einer Nacht neben 84 anderen Dörfern wie ausgestorben war, und natürlich die Dünenfelder der Wüste, in denen ich übernachten wollte. Aber wie gesagt gibt es kaum einsame Stellen in Indien, so dass man von jeder Richtung Touristengruppen hörte, die mit ihren Kamelen und Bier in die Dünen gekommen waren.

Jaisalmer
Grabmähler, Jaisalmer
In Amritsar habe ich den goldenen Tempel der Sikh besucht und im Tempelkomplex gewohnt. Die Sikh waren mir sofort sympathisch. Einander Dienen, Gastfreundschaft, Gleichheit, Miteinander sind ein paar der Werte. Hier bekommt man kostenlos einen Schlafplatz und Essen. Alle sind hier willkommen. Daher kann man auch als Tourist an dem Treiben teilnehmen anstatt nur zuzuschauen. Mit dabei sein, dazu setzen, Tee trinken und Chapatis backen.  Einfach mithelfen. Es ist ein reges und interessantes Treiben hier und eine wunderbare Atmosphäre; daher habe ich mir danach noch öfter Sikh Tempel zum Übernachten aufgesucht. Unter anderem in Anandpur Sahib, wo das Sikh festival Hola Mahalla stattfand. Leider wurde das Datum verschoben, so dass ich erst am letzten Tag ankam und fast alles verpasst habe. Beim umher schlendern konnte ich dennoch ein paar Fotos der Sikh Warrior machen, die mit ihren kunstvollen Turbanen und den Schwertern toll aussehen.
Sikh Warrior auf dem Hola Mahalla
Hola Mahalla
Golden Temple, Amritsar
Töpfe voll Chai, Golden Temple
Chapatis, Golden Temple
Parade am Grenzübergang zu Pakistan
Die ersten Gipfel des Himalaya habe ich in Daramshala bzw. McLeodGanj gesehen. Mit Tibetern habe ich die Gegend erkundet und viel über Buddhismus gelernt. Diese sind 1959 nach dem Tibetaufstand gegen die kommunistische Regierung Chinas hierher geflohen. Daher wohnt auch der Dalai Lama jetzt in McLeod Ganj und hat zur 100-Jahr Feier des Mentsekhang Krankenhaus eine Rede im Tempel gehalten. Leider habe ich selbst nicht verstanden was er sagte, aber es war trotzdem spannend mit dabei zu sein. 

Himalaya, McLeod Ganj
Buddhist Tempel, McLeod Ganj
Das Zugfahren in Indien, auch oder vor allem in der untersten Klasse habe ich genossen. Allerdings muss man rechtzeitig buchen, um ein ‚Bett‘ zu bekommen. Da ich jedoch bevorzugt spontan weiterziehe, ohne auf die Uhr zu schauen, habe ich angefangen die lokalen Busse zu nehmen. Was auch ziemlich spannend war, nicht nur weil die ab und zu stehen geblieben sind, sondern weil ich so zu Familien nach Hause eingeladen wurde oder von Menschen die Stadt gezeigt bekommen habe.
Wider alle Warnungen konnte ich aber auch das Trampen nicht sein lassen und wollte wissen, wie das Indien läuft. Also bin ich einen Tag lang die kleinen Straßen bis nach Anandphur Sahib getrampt. Und es war einer meiner schönsten Tage in Indien. Für mich ist es einfach besonders und spannender, wenn ich in Dörfern lande in denen nichts für Touristen ausgelegt ist und Menschen begegne, die sonst kaum Touristen treffen. Und dann zu erleben, dass ich zum Essen eingeladen werde, obwohl ich nach einer Toilette frage, oder zum Tee, nachdem jemand kurz auf meinen Rucksack aufpasste, Unterschriften vergeben soll, weil ich die erste Ausländerin bin, die sie treffen; oder zu sehen, dass sich abends nur noch Männer und Hunde auf der Straße rumtreiben und der Besitzer des Gästehauses besorgt ist weil ich lange in der Dämmerung unterwegs war, um etwas zu essen zu finden; Solche Begebenheiten, wenn auch klein und im eigentlichen nichts besonderes, sind so viel mehr wert, da sie ‚echter‘ sind und mir einen besseren Eindruck von Land und Leute geben, als Orte, die schon vom vielen Tourismus getrübt sind. Wenn die Erlebnisse dann noch so positiv sind freut es mich umso mehr, den Geschichten und Warnungen zum Trotz, zu erkennen, dass die meisten einfachen Menschen überall auf der Welt freundlich, friedlich und hilfsbereit sind; aber auch, dass mich mein großer Gott geführt und bewahrt hat.
Familie auf dem Land bei Udaipur
Zuckerrohrsaft wird ausgepresst
Es wird Chai gekocht
Auch die Kühe haben wohl noch keine Touristen gesehen
Steintempel, Masroor
aus der Riksha fotografiert
Ich wollte nochmal zurück in den Himalaya, um mehr Schneeberge zu sehen. Allerdings bin ich nur sehr langsam vorwärts gekommen, so dass ich nach zwei Tagen erst in Sarahan war, wo ich in einem Hindu Tempel blieb, um traditionellen Tänzen bei einer Schulaufführung zuschauen und mit den Köchen des Tempels Tee zu trinken, die mir für die Weiterreise sogar ein Essenspaket gerichtet haben. Leider ging meine Zeit schon dem Ende zu, so dass ich auch hier nicht viel einsame Natur entdecken konnte. 

Hindu Tempel, Sarahan



Varanasi war der letzte Stop im Norden - die heilige Stadt am Ganges, zu dem viele Pilger reisen, um ihre Toten zu verbrennen oder deren Asche im Ganges zu verstreuen. Es ist bizarr am Burning Ghat zu sitzen und Tee zu trinken während ununterbrochen Menschen ihre Toten bringen, Rituale vollziehen, die Körper verbrennen und am Fluss Menschen die Asche nach Gold und Silber durchsieben. Und dennoch ist es ganz natürlich. Genauso bizarr scheint es mir, wie gerade in den heiligen Städten der ‚Sittenverfall‘ so offensichtlich ist. Aber da merkt man, dass in anderen Ländern eben andere Sitten herrschen und ich war froh jemanden an der Seite zu haben, der mir viel zum Denken, Glauben und Leben der Inder und des Hinduismus erzählen konnte.
Ghats am Ganges
alles ist hier heilig
Kühe im Alltag
Indien ist anders. Ein Land in dem es unheimlich viel zu sehen und zu entdecken gibt, in das man den Rest des Lebens eintauchen kann und vermutlich trotzdem nur einen Teil verstehen und erfassen wird. Aber ein Land so intensiv, dass man es liebt oder hasst? Diesem Extrem bin ich nicht begegnet und so ist es für mich einfach ein weiteres schönes Land, das ich kennen lernen durfte.

Train Station, Mumbai
Seiltänzerin, Anandpur Sahib
Hindu Tempel, Mt. Abu

English Version (again, sorry for the bad google translation):

Rarely I had gotten such a bad impression of a country before. It is noisy, dirty, crowded; I should not accept food from strangers, not wandering alone in the dark; as a foreign girl I will get stared at and as a single traveling woman I will get problems sooner or later. Travellers, couch surfers and locals have only given me warnings and bad stories. India - you love it or hate it. I was almost sure I would hate it.But India is different. Different than expected. Where was the unpleasant, where the Extreme? Well, India is noisy and dirty compared to Germany, but not in a way I wouldn't be used to it. From the beginning I felt comfortable, a new beautiful, pleasant country. No trouble with men like in Turkey, no unpleasant gaze like in China, no overcrowding in cities like in Uganda and no frustrating language barriers as in so many other countries.And as far as women are concerned? I was allowed to jump the queue. In full trains a seat was often offered to me. I was helped always when I asked for it.Once again I come to the conclusion knowing less is often more. In this case, more peace, more excitement, more openness, more of the country.
After I finished my study-related stay in or around Jaipur, I was finally able to go out and explore the northwest of India. Although I planned to visit the Thar Desert and the Himalayas, it was difficult to have beautiful, quiet, lonely hours in nature; In this respect, India is crowded, because there are not lonely places in India. Instead, it was more a journey in which I learned a lot about different religions and culture. Here lies the richness of India.After the must-see of India, the Taj Mahal, which I personally find beautiful, but not very impressive I had a short stop in Pushkar, a sacred small town with one of the few Brahma temple in the country. With the many tourists it did not seem holy, but a nice and pleasant atmosphere prevails here.In Jaisalmer- the golden city, a couch surfer took time to show me many interesting places around - the tomb of the Kings, an abandoned village, which was deserted in one night with 84 other villages, and of course the dune fields of desert, where I wanted to stay. But as I said, there is little lonely places in India, so that you could hear from every direction tourist groups, who had come with their camels and beer in the dunes.In Amritsar, I visited the Golden Temple of the Sikh and lived in the temple complex. I liked the Sikh instantly. Serve one another, hospitality, equality and cooperation are some of the values. Here you can get a free place to sleep and food. All are welcome here. Therefore, one can also participate rather than just watch as a tourist and I helped making chapati and drink tea. It is a lively and interesting place here and a wonderful atmosphere; therefore I have looked for more Sikh temples to stay. Among others in Anandphur Sahib where the Sikh festival Hola Mohalla took place. Unfortunately, the date was preponed so that I arrived on the last day and missed almost everything. When strolling I was still able to take some pictures of Sikh Warriors that look great with their ornate turbans and swords.
The first peaks of the Himalayas I have seen in Daramsala or McLeodGanj. With Tibetans I explored the area and learned a lot about Buddhism. The Tibetans fled in 1959 after the Tibetan uprising to the Chinese communist government to Daramsala. Hence the Dalai Lama now lives in McLeod Ganj and gave a speech at the temple for the100-year celebration of Mentsekhang hospital. Unfortunately, I did not understand what he said, but it was still exciting to be there.I enjoyed the train travel in India, even or especially in the lowest class. But you have to book well in advance to obtain a 'bed'. I prefer spontaneously traveling and started to take the local buses. That was also quite exciting, not only because they broke down sometimes, but because I got invited to family homes and met people, who showed me around their city.Despite any warnings I could not let hitchhiking be untried and wanted to know how this is working in India. So one day I hitchhiked the small  roads to Anandpur Sahib. And it was one of my best days in India. For me it is special and exciting when I end up in villages where nothing is set up for tourists and meeting people, who hardly meet any tourists. And to see then that I am invited to dinner, although I asked for a toilet, or to tea after someone was watching my backpack, giving autographs, because I am the first foreigner they meet; or to see that at dawn only men and dogs are roaming the streets and the owner of the guesthouse is concerned because I was gone long after sunset to find something to eat; Such occurrences, though small and actually nothing special, are worth so much more, as they are more 'real' and give me a better idea of ​​the country and the people than places that are already dulled by the many tourists. And if those experiences are so positive, it pleases me all the more to recognize, despite the stories and warnings, that most people are friendly, peaceful and helpful all over the world; but also that my great God has led and protected me.
I wanted to return again to the Himalayas to see more snow mountains. However, I could move only very slow, so that after two days I only reached Sarahan, where I stayed in a Hindu temple to watch traditional dances at a school play and drink chai with the cooks of the temple. Unfortunately my time was coming to an end, so I could not see much solitary nature here either.Varanasi was the last stop in the north - the holy city on the Ganges, where many pilgrims come to burn their dead relatives or to scatter their ashes in the Ganges. It's bizarre to sit at the Burning Ghat and drink tea while people continously bring their dead, perform rituals, burn the body and to sift human ashes for gold and silver by the riverside. Equally bizarre it seems to me how especially in the holy cities the 'moral decline' is so obvious. But then I realize that different countries, different customs applies. I was glad to have someone with me to tell me more of those customs, the faith and life in Hinduism.India is different. A country where there is an awful lot to see and discover, in which one can immerse the rest of life and still only understand and capture a small part. But a country so intense that you love it or hate? That extreme I did not see and so for me India is simply another beautiful country, which I got to know.  

Montag, 21. September 2015

Sibirien


Deshalb wollte ich nach Russland, Sibirien – diese unbekannte Weite und viel Natur.
Erster Stop waren die “Golden Mountains of Altai”, das Grenzgebirge zwischen Russland, China, Mongolei und Kasachstan; eine wahrhaft schöne Ecke Russlands – Schneeberge mit Gletschern, Steppe mit Seen, Flüssen, Pferden und Kamelen und wunderschönem Sternenhimmel. Eine Woche bin ich hier die Straße entlanggetrampt und habe immer wieder Abstecher gemacht. Ich wurde von vielen russischen Reisenden mitgenommen und habe mich ihnen öfter angeschlossen; Mit Sergej zum Aktru-Gletscher und den ‚Coloured Rocks‘. Mit einem kleinen LKW nach Ullagan und Samagan, um Supermärkte mit frischem Obst zu beliefern. Mit Anton und Tanya an jedem Pass und Fluss vorbei und zum Äpfel pflücken. Mit einem Pärchen auf Patmos Island und mit einer Gruppe junger Russen zum ‚Coloured Lake‘.




Kosh-Agach, Altai

"Ich habe heute Klassendienst!" war sein einziger Satz auf Deutsch
Coloured Rocks, Altai
typisches Altai-Essen
Coloured Lake, Altai
Steppe

 
Auf dem Weg zum Aktru-Gletscher, Altai


Aktru- Gletscher, Altai



Zusammenfluss von Katun und Chuya, Altai
islamischer Friedhof, Altai
spielende Kinder in Samagan, Altai


Ich bin nicht weit gekommen als ich Altai verlassen wollte, denn ich habe endlich zwei der Tramper getroffen an denen ich bisher immer vorbei gefahren bin. Mit Marat und Bulan war ich an der Ob campen; mit Fischen und Baden und Pilze sammeln. 

früh morgens beim Fischen

Als mir aufgefallen ist, dass ich viel zu wenig Zeit für dieses riesige Land habe, bin ich non-stop nach Irkutsk. An sich keine besondere Stadt, aber die Atmosphäre hat mir so gut gefallen. Eine Mischung aus alt und neu, modern und traditionell, schöne Kirchen, kitschige Kinderspielplätze, Musik, Leben auf der Straße ohne Hektik. Hier merkt man, dass man nicht mehr ganz so nahe an Europa ist.

 
Irkutsk
Kinderattraktionen, Irkutsk


Weiter am Baikalsee vorbei nach Ulan-Ude. Hier hatte ich einen Kontakt von meinem Professor und mit Misha und dem alten Professor German habe ich die Gegend geologisch erkundet; was doch sehr interessant war, nachdem im Gebirge mein Blick mittlerweile mehr nach unten als nach oben gerichtet ist. 

größter Lenin-Kopf, Ulan.Ude
Datsan- buddhistisches Zentrum Russlands, Ulan-Ude
Wenn man mit geschlossenen Augen genau auf den Stein zuläuft geht ein Wunsch in Erfüllung...

Ich hatte schon gehört, dass es am Baikalsee und Umgebung brennt. Genau genommen brennt halb Sibirien. Aber ich wollte dennoch lieber auf die weniger touristische, dafür brennende Ostseite. Je näher ich dem See gekommen bin, desto kürzer wurde die Sicht. Ich dachte ja immer Buschfeuer sind riesig und alles brennt lichterloh; aber stattdessen waren es hier viele kleine Feuer, denen man vom Straßenrand aus zuschauen konnte, wie jedes einen Baum ausbrennt bis er umfällt; dann springt es weiter zum nächsten. Man hört die Bäume krachen. Alles ist verraucht. Man sieht die Sonne nicht, aber sie taucht alles in ein orangenes Licht. Eine ganz seltsame, etwas erdrückende Atmosphäre. Aber als ich sah, wie die Menschen in ihren Dörfern ganz ungestört ihrem Treiben nachkommen, bin ich doch 2 Tage geblieben; in den Dünen des Baikalsees, der doch eher wie ein Meer wirkt. Den Strand teile ich mir mit 3 russischen Backpackern und wir sitzen zusammen und tauschen Geschichten aus. Es war wunderschön, aber ich war doch etwas froh wieder blauen Himmel zu sehen. 

verrauchte Luft
eines von vielen kleinen Feuern in Sibirien

Baikalsee



Weiter nach Osten wurde der Verkehr extrem dünn, die Gastfreundschaft jedoch üppiger. Ich kam spät in der Nacht in einem Kafe (billige Restaurants vor allem von den LKW-Fahrern genutzt) an und wollte warten bis zum Morgen bevor ich weiter trampe. Daraufhin wurde mir ein Bett angeboten. Und als ich morgens einen Tee bestellte wurde mir ein komplettes Frühstück serviert. Richtung Norden wird der Verkehr noch dünner und die Straßen noch schlechter. Ich laufe ein Stück die Straße entlang und komme an einer Polizeikontrolle vorbei, die mich aber statt nach meinem Pass zu fragen zum Tee und Essen einlädt. Mir gefällt Sibirien. Von Tynda nehme ich den Zug nach Novaya Chara (es gibt nämlich keine Straße zum Trampen). Hier sind die Chara Sands, die ich unbedingt sehen wollte. Eine kleine Wüste umgeben von den Kodar-Bergen; ein ganz ungewöhnliches und wunderschönes Setting, nur dass ich von den Bergen nichts gesehen habe, weil auch in dieser Gegend das Feuer wütet und die Sicht nicht gut genug war. So interessant das Feuer am Baikalsee war; so sehr nervt es mittlerweile. Ich kam nachts am Bahnhof an und übernachte hier. Morgens wurde ich von der Bahnhofspolizei geweckt, die sich gut um mich kümmert. Nach viel Kopfschütteln, weil ich alleine in die Wüste will, wo es so viele Bären gibt, nimmt Dima mich mit zu seiner Familie und mit seinem Sohn bringt er mich zu der Stelle, an der man den Fluss leicht überqueren kann. Glücklich endlich hier zu sein laufe ich los. Es sieht alles wunderschön aus. Es gibt viele Bäume in den Dünen und ich campe mittendrin. Am nächsten Morgen laufe ich weiter und erreiche das Ende der Dünen; noch 5km durch den Wald und ich bin wieder in Novaya Chara. Glücklich ein Bächlein zu finden, dem ich folgen konnte, stelle ich schnell fest, dass es ganz viele Bächlein gibt und der ganze Wald ein riesen Sumpf ist. Unmöglich hier zu durchqueren. Ich laufe am Rand entlang und suche eine geeignetere Stelle, aber sehe dabei so viele Bären- und andere Tierspuren; der Gedanke im Sumpf stecken zu bleiben und irgendwelchen Tieren zu begegnen ist mir nicht geheuer und nehme doch lieber den Weg zurück durch die Wüste. Die ist ja zum Glück nicht zu groß und ich bin abends wieder zurück. Bären habe ich keine gesehen, aber dafür wurde ich von Stechmücken ausgesaugt bis ich aussah als hätte ich einen Ausschlag. Wieder zurück werde ich von der Bahnhofspolizei herzlich begrüßt und verbringe hier noch eine Nacht, um am nächsten Tag in die Berge zu gehen, von denen ich nichts gesehen hatte.
Aber über Nacht ziehen Wolken auf und die Sicht wird noch kürzer. Also verbringe ich den Tag so, wie man in Sibirien schlechte und kalte Tage verbringt und sitze in einem Banja, einem russischen Badehaus, das einfach der hammer ist. So lassen sich verregnete Tage sehr gut aushalten.

auch hier ist alles verraucht
Oase in den Chara sands
Sanddünen in den Chara Sands
Meine letzten Tage verbringe ich in Yakutsk, dem ‚kingdom of permafrost‘. Mit der Fähre überquere ich die Lena und komme nachts an; und weil es zu kalt zum Campen ist, werde ich bei einem Freund des Fahrers abgeliefer, wo ich die erste Nacht verbringen durfte bevor ich Couchsurfen bin. Ich mache eine Führung in die Tiefe des Permafrostbodens, was ziemlich spannend ist. Zudem habe ich das Gefühl der Winter scheint hier nicht so zum Verkriechen zu sein, wie man sich sibirische Winter vorstellt. Im Gegenteil gibt es viele Orte, die man erst im Winter über Land erreicht, wenn man mit dem Auto über die zugefrorenen Flüsse fahren kann. Klingt ziemlich spannend und ich würde gerne im Winter zurückkehren und all die anderen schönen Orte sehen, für die ich keine Zeit hatte. 
Taiga
Taiga
Bändel am Baum (Hintergrund) oder Münzen (hier schon in die Straße eingefahren) sollen Glück bringen
Bäckerei auf dem LKW-Parkplatz
Fluss Lena, Yakutsk



English version: (this is a corrected google translate version, sry for any mistakes, but don't have the time to rewrite in English):

This is why I wanted to go to Russia, Siberia - this sound of nature and vast nature.
First stop was the "Golden Mountains of Altai", the mountains between the borders of Russia, China, Mongolia and Kazakhstan; a truly beautiful part of Russia - snow mountains with glaciers, steppe with lakes, rivers, horses and camels and a beautiful night sky. One week I hitchhiked the road through the Altai and made some detours into nature. I got lifts from many Russian travelers and joined them often for some tours; with Sergei to Aktru Glacier and ,Coloured Rocks'. With a small truck to Ullagan and Samagan to supply supermarkets with fresh fruit. Stopped with Anton and Tanya at every mointain pass, river and to pick apples. With a couple to Patmos island and with a group of young Russians to the ,Coloured Lake'.
I did not get far when I wanted to leave Altai, because I finally met two of those hitchhikers I keep passing on the road. With Marat and Bulan I was camping on the river Ob; fishing and swimming and picking mushrooms.
When I realized that I don’t have enough time for this vast country, I went non-stop to Irkutsk. A town with a great atmosphere. A mix of old and new, modern and traditional, beautiful churches, kitschy playgrounds, music, life on the road without hassle. Here you realize that you are no longer as close to Europe.
Next to Ulan-Ude. Here I had a contact from my professor and with Misha and the old professor German, I explored the area geologically; which was very interesting since by now my eyes keep looking down rather than up in the mountains.
I had heard about the bushfire around Lake Baikal. Actually half Siberia is burning. But I still wanted to visit the less touristy, but burning east side of Lake Baikal. The closer I came to the lake, the shorter was the view. I always thought bushfires are huge and all-consuming; but instead there were many little fires, you could watch from the roadside; each one burned down one tree till it fell and then jumps to the next. You can hear the trees crashing. Everything is smoky. You can’t see the sun, but everything is in an orange light. A very strange, somehow oppressive atmosphere. But when I saw the in villages not caring too much about it, I stayed for 2 days; in the dunes of Lake Baikal, that is rather a sea. I shared the beach with 3 Russian backpackers and we sit together and exchange stories. It was beautiful, but I was also glad to see blue sky again.
Further to the east traffic decreased, but the hospitality increased equally. I arrived late at night in a Cafe (cheap restaurants mainly used by lorry drivers) and wanted to wait until morning before I keep hitchhiking. But I was offered a bed. And when I ordered a cup of tea next morning, I got served a full breakfast. North, the traffic is even less and the roads even worse. I walk a bit along the road and pass a police checkpoint, but instead of asking for my passport they invited me for tea and lunch. I like Siberia.
From Tynda I take the train to Novaya Chara (because there are no roads to hitchhike). Here are the Chara Sands that I wanted to see. A small desert surrounded by the Kodar Mountains; a very unusual and beautiful setting, but I did not see anything of the mountains, because in this area the fire rages as well and the visibility was not good enough. As interesting the fire was at Lake Baikal, as annoying it is now. I arrived at night at the station and slept here. In the morning the police woke me up and took good care of me. After much head-shaking, because I wanted to go to the desert by myself, with all the bears, Dima takes me to his family and with his Son, he brings me to the point where it is easy to cross the river. Happy to finally be here I start walking. Everything looks beautiful. There are many trees in the dunes and I camp in the middle. The next morning I reach the end of the dunes; 5 km through the woods and I'm back in Novaya Chara. Happy to find a brook, which I could follow, I quickly realize that there are many streams and that the whole forest is a giant swamp. Impossible to pass through here. I walk along the edge, looking for a more appropriate way, but I see lots of bear tracks and others; I don’t feel comfortable with the to get stuck in the swamp and face those animals, so I take the road back through the desert. The desert is fortunately not too big and I'm back in the evening. I have not seen any bears, but I got bitten by mosquitoes until I looked as if I had a rash. Once back I was warmly welcomed by the police station and spend one more night here, so I could go to the mountains. But overnight clouds raised up and the view got even worse. So I spend the day the siberian way of spending cold and wet days and sat in a banya, a Russian bathhouse, which is just great. An awesome way to spend gray days.
My last days I spent in Yakutsk, the ‘kingdom of permafrost'. By ferry I cross the Lena and arrive at night; and because it is too cold to camp, I’ll get dropped off at the driver’s friend’s house, where I spent the first night before I'm couchsurfing. I take a tour into the depth of permafrost, which is quite interesting. Also I got the feeling siberian winters are quite exciting, since there are many places that can be reached only in winter over land, when it is possible to drive a car on the frozen rivers. I would love to return in the winter and see all the other beautiful places, I had no time for.